24.02.2026

Teil 3: Prostatabiopsie neu betrachtet: Evidenz, Praxis und Perspektiven

Prostatabiopsie neu betrachtet: Evidenz, Praxis und Perspektiven

Teil 3: Transperineale Prostatabiopsie im klinischen Alltag: Anforderungen, Umsetzung und Grenzen

Von der Evidenz zur gelebten Praxis

In den ersten beiden Teilen dieser Wissensserie wurde dargestellt, warum die transperineale Prostatabiopsie (TP) zunehmend in den Fokus der wissenschaftlichen Diskussion rückt und welche Erkenntnisse die aktuelle Studienlage liefert. Für die klinische Versorgungspraxis stellt sich jedoch eine weiterführende Frage: Wie lässt sich ein solches Verfahren sinnvoll, sicher und realistisch in bestehende Strukturen integrieren? Denn zwischen publizierter Evidenz und routinierter Anwendung liegen zahlreiche Faktoren, die im klinischen Alltag oft entscheidender sind als statistische Signifikanz allein. Organisation, Erfahrung und Prozesssicherheit spielen dabei eine zentrale Rolle.

Methodische Besonderheiten des transperinealen Zugangs

Der transperineale Zugang unterscheidet sich grundlegend vom transrektalen Vorgehen. Während Letzteres über Jahrzehnte hinweg standardisiert wurde, erfordert der perineale Zugang eine bewusstere Auseinandersetzung mit Technik und Ablauf. In der Literatur wird beschrieben, dass insbesondere die präzise Nadelführung und die stabile Bildgebung entscheidend für eine sichere Durchführung sind¹. Daichts gilt vor allem bei variierender Anatomie oder bei der gezielten Biopsie schwer zugänglicher Prostataareale. Anders als beim transrektalen Zugang ist der transperineale Weg weniger verzeihend gegenüber Ungenauigkeiten, was gleichzeitig erklärt, warum der strukturierte Ablauf eine größere Rolle spielt. Diese methodischen Unterschiede werden nicht als Nachteil bewertet, sondern als Ausdruck eines anderen Zugangs, der entsprechend vorbereitet und umgesetzt werden muss.

Technische Umsetzung und Workflow-Fragen

Unabhängig vom gewählten technischen Konzept betont die Fachliteratur, dass die technische Umsetzung einen erheblichen Einfluss auf den Arbeitsablauf hat². Die Frage, wie die Biopsienadel geführt, visualisiert und kontrolliert wird, beeinflusst nicht nur die diagnostische Präzision, sondern auch die Belastung für das Behandlungsteam. Dabei zeigt sich, dass es weniger um einzelne Systeme oder technische Lösungen geht, sondern vielmehr um deren Integration in bestehende Abläufe. Verfahren, die den Workflow unnötig verkomplizieren oder zusätzliche Fehlerquellen eröffnen, werden in der Praxis häufig nicht nachhaltig etabliert – unabhängig von ihren theoretischen Vorteilen.

Anästhesie und Patientenkomfort im Versorgungsalltag

Ein Aspekt, der lange Zeit als Hürde für die transperineale Biopsie galt, ist die Frage der Anästhesie. Während das Verfahren früher häufig mit Allgemein- oder Spinalanästhesie assoziiert wurde, zeigen neuere Untersuchungen, dass eine Durchführung unter Lokalanästhesie möglich und gut toleriert ist³. Diese Erkenntnis hat unmittelbare Auswirkungen auf die Versorgungsrealität. Ambulante Konzepte, kürzere Aufenthaltszeiten und eine bessere Planbarkeit werden dadurch realistischer. Gleichzeitig weisen Studien darauf hin, dass der wahrgenommene Patientenkomfort weniger vom Zugangsweg selbst abhängt als von der Erfahrung des durchführenden Teams, der Kommunikation während des Eingriffs und der gewählten Punktionstechnik⁴.

Qualifikation, Erfahrung und Lernkurve

Wie bei vielen interventionellen Verfahren spielt auch bei der transperinealen Biopsie die Lernkurve eine entscheidende Rolle. Die Literatur zeigt, dass mit zunehmender Erfahrung sowohl die Eingriffszeit als auch die Sicherheit der Durchführung deutlich verbessert werden können⁵. Aus diesem Grund wird für Einrichtungen, die den transperinealen Zugang neu einführen, eine strukturierte Herangehensweise empfohlen. Schulungen, klare Prozessbeschreibungen und eine begleitende Qualitätssicherung werden dabei nicht als zusätzliche Belastung verstanden, sondern als Voraussetzung für eine sichere und nachhaltige Implementierung.

Einbettung in bestehende Versorgungsstrukturen

Neben der eigentlichen Durchführung ist die organisatorische Einbindung ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Terminplanung, Materialverfügbarkeit, Nachsorge und Dokumentation müssen an das neue Verfahren angepasst werden. Mehrere Publikationen betonen, dass die transperineale Biopsie besonders dann erfolgreich etabliert wird, wenn sie als Teil eines übergeordneten diagnostischen Gesamtkonzepts betrachtet wird⁶. Isolierte Einzelmaßnahmen ohne strukturelle Anpassung führen dagegen häufig zu Akzeptanzproblemen im klinischen Alltag.

Grenzen und realistische Erwartungen

Trotz der in der Literatur beschriebenen Vorteile ist die transperineale Prostatabiopsie kein universelles Verfahren für jede Situation. Der initiale Schulungsaufwand, organisatorische Anpassungen und die Abhängigkeit von geeigneter technischer Ausstattung werden offen benannt. Vor diesem Hintergrund wird wiederholt darauf hingewiesen, dass die transperineale Biopsie nicht als pauschaler Ersatz bestehender Verfahren verstanden werden sollte, sondern als sinnvolle Weiterentwicklung, deren Einsatz indikationsgerecht und strukturiert erfolgen muss.

Zusammenfassung der Wissensserie

Die Betrachtung der transperinealen Prostatabiopsie zeigt exemplarisch, wie sich diagnostische Verfahren weiterentwickeln: schrittweise, datenbasiert und praxisorientiert. Die aktuelle Literatur beschreibt den transperinealen Zugang als eine Option, die bei entsprechender Umsetzung eine hohe Patientensicherheit und diagnostische Breite ermöglichen kann. Entscheidend bleibt dabei weniger die Methode an sich als die Qualität ihrer Umsetzung.

Quellen

1. Urkmez A. et al. (2021). Freehand versus grid-based transperineal prostate biopsy. The Journal of Urology.

2. Ngu I.S. et al. (2023). Freehand transperineal prostate biopsy under local anesthesia. Cancer Pathogenesis and Therapy.

3. Grummet J.P. et al. (2014). Septic complications after prostate biopsy. BJU International.

4. Pepe P. et al. (2015). Pain and tolerance in prostate biopsy. Urologia Internationalis.

5. Xiang J. et al. (2020). Learning curve in transperineal prostate biopsy. Urology.

6. NHS England. TREXIT Initiative – Implementation experiences.