RFITT in der Varikosisbehandlung: Funktionsweise und Systemansatz
Die Therapie der Varikosis hat sich in den letzten Jahren zunehmend in Richtung minimalinvasiver Verfahren entwickelt. Ein etabliertes Verfahren ist die endovenöse Radiofrequenzablation (RFA). Dabei wird die betroffene Vene gezielt von innen thermisch behandelt, um sie zu verschließen. Das CELON Precision System ist ein radiofrequenzbasiertes System, das für die Behandlung insuffizienter Venen eingesetzt wird.
Prinzip der Radiofrequenzablation
Bei der Radiofrequenzablation wird ein Applikator in die betroffene Vene eingeführt. Über diesen wird kontrolliert Energie abgegeben, wodurch sich die Venenwand erwärmt. Die thermische Einwirkung führt zur Denaturierung von Kollagenstrukturen in der Gefäßwand. In der Folge kommt es zu einer Schrumpfung des Gefäßdurchmessers und schließlich zum Verschluss der Vene. Die behandelte Vene verbleibt im Körper und wird im weiteren Verlauf vom Organismus umgebaut.
RFITT – Radiofrequenz-induzierte Thermotherapie
Im CELON Precision System wird die sogenannte RFITT-Technologie (Radiofrequenz-induzierte Thermotherapie) eingesetzt. Charakteristisch ist dabei, dass die Energie nicht konstant abgegeben wird, sondern sich während der Anwendung dynamisch an den Zustand des Gewebes anpasst. Die Energieabgabe erfolgt gepulst und führt zu einer lokal begrenzten Erwärmung des Gewebes auf etwa 100 °C. Ziel ist eine kontrollierte thermische Veränderung der Venenwand bei gleichzeitig möglichst präziser Energieeinbringung.
Bipolare Radiofrequenztechnik und gerichtete Energieabgabe
Das System arbeitet mit einer bipolaren Anordnung von Elektroden. Der Strom fließt dabei zwischen zwei Elektroden an der Applikatorspitze. Diese Bauweise ermöglicht:
- eine räumlich definierte Energieabgabe
- eine gezielte Ablation entlang der Elektrodenspitze
- eine gerichtete Wärmeentwicklung im Behandlungsbereich
Durch diese gerichtete Energieabgabe ist eine Positionierung des Applikators auch in unmittelbarer Nähe der Krossenregion möglich, ohne dass es zu einer unkontrollierten Wärmeausbreitung in distaler Richtung kommt.
Temperaturverhalten des Applikators
Ein technisches Merkmal des Systems besteht darin, dass nicht die Elektrode selbst erhitzt wird, sondern primär das umliegende Gewebe. Das bedeutet:
- die Wärme entsteht direkt im Zielgewebe
- nach Beendigung der Energieabgabe geht keine relevante Restwärme vom Applikator aus
Dies trägt zur kontrollierten Anwendung bei und ist Teil des physikalischen Wirkprinzips der bipolaren Radiofrequenztechnik.
Steuerung der Energieabgabe durch Impedanzmessung
Während der Anwendung wird der Gewebezustand kontinuierlich über die Impedanzmessung erfasst. Mit fortschreitender Ablation verändert sich der elektrische Widerstand des Gewebes:
- die Impedanz steigt
- die abgegebene Leistung wird automatisch reduziert
- bei Erreichen definierter Werte wird die Energieabgabe weiter begrenzt oder beendet
Diese automatische Anpassung sorgt dafür, dass die Energieabgabe laufend an den aktuellen Gewebezustand angepasst wird. Die integrierte Auto-Stopp-Funktion kann dazu beitragen, eine übermäßige Energieeinwirkung zu vermeiden. In diesem Zusammenhang wird auch beschrieben, dass das Risiko thermisch bedingter Hautschäden, wie z. B. Verbrennungen, reduziert werden kann. Zusätzlich erhält der Anwender visuelles und akustisches Feedback über den Verlauf der Behandlung.
Eigenschaften des Applikators
Der verwendete Applikator ist für die endovenöse Anwendung ausgelegt und weist unter anderem folgende Merkmale auf:
- geringer Durchmesser (ca. 1,8 mm)
- kurze aktive Elektrodenspitze (ca. 18 mm)
- Zentimetermarkierungen zur Positionierung
- Ultraschallsichtbarkeit während der Anwendung
Die Kombination dieser Eigenschaften ermöglicht eine kontrollierte Positionierung und Anwendung unter bildgebender Kontrolle.
Ablauf der Anwendung (vereinfacht)
Die Behandlung erfolgt typischerweise unter Ultraschallkontrolle und umfasst mehrere Schritte:
- Zugang zur Vene (z. B. mittels Seldinger-Technik)
- Positionierung des Applikators im Zielsegment
- Aktivierung der Energieabgabe
- kontinuierlicher Rückzug des Applikators entlang der Vene
Die Rückzugsgeschwindigkeit wird an die Eigenschaften der jeweiligen Vene angepasst.
Klinischer Kontext
Die Radiofrequenzablation ist ein etabliertes Verfahren zur Behandlung insuffizienter Stammvenen und Venensegmente. Die Wirkung basiert auf der gezielten thermischen Veränderung der Venenwand mit anschließendem Verschluss des Gefäßes. Die Anwendung erfolgt unter Berücksichtigung der jeweiligen Indikationen, Kontraindikationen und klinischen Rahmenbedingungen.
Zusammenfassung
Das CELON Precision System ist ein radiofrequenzbasiertes System zur endovenösen Behandlung von Varikosis. Es basiert auf:
- bipolarem Energiefluss
- gepulster RFITT-Technologie
- kontinuierlicher Anpassung der Energieabgabe über Impedanzmessung
Die Anwendung zielt auf eine kontrollierte, lokal begrenzte thermische Behandlung der Venenwand ab.